Frankie

Geschichte

Frankie, diesen Namen hat von PATA ATIVA erhalten. Freiwillige Helferinnen dieser Organisation trafen diesen Hund bei einem Besuch im öffentlichen Tierheim. Dort war er gelandet, weil er auf den Straßen von Paderne lebte, wo man ihn ausgesetzt hatte. Im Tierheim hatte man ihn bereits aufgegeben, aber die Helferinnen von PATA ATIVA wollten für ihn kämpfen, besuchten ihn, badeten ihn, halfen ihm mit Hilfe eines Tuches aufzustehen und die ersten Schritte zu gehen… Schnell war klar, Frankie fehlt nicht nur eine Familie. Er trägt einen ganzen Rucksack an Problemen auf seinen so jungen Schultern. Sie suchten Hilfe bei uns und wir nahmen Frankie im PLACE for STRAYS auf.

Er war sehr schwach und wir mussten ihn fast in seine Box tragen, da er nur schlecht laufen konnte. Er schaffte nur ein paar Schritte und legte sich dann vor Erschöpfung hin. Anfassen war für ihn eine Qual und er schrie bei jeder Berührung laut auf. In seiner Box lief er die ersten Tage total traumatisiert im Kreis herum und lebte in seiner eigenen Welt.

Zum Glück schmeckte ihm das Futter von Anfang an sehr gut, so dass wir das Füttern gut zum trainieren nutzen können. Beim Füttern versuchen wir ihn sanft zu streicheln, damit er seine Berührungsängste verliert. Zusätzlich zum Futter bekommt er Vitaminpaste, Medikamente für seine Knochen und ein natürliches Beruhigungsmittel.

Seitdem Frankie bei uns ist, trainieren unsere Helfer fast jeden Tag mit ihm und in kleinen Schritten wird es immer besser. Wir glauben fest daran, dass er spürt, dass wir ihm helfen wollen. Am Halsband angefasst zu werden mag er absolut nicht. Auch ein Geschirr anzulegen ist noch eine schwierige Prozedur. Unsere kleinen Tricks dabei hat er schnell durchschaut, der schlaue Fuchs. Doch wenn wir ihn erst einmal im Freilauf an der Langlaufleine haben, ist er wie ausgewechselt. Dann läuft Frankie sehr schön geradeaus und freut sich über seine Freiheit. Andere Hunde ignoriert er dabei noch.

Durch dieses tägliche Training hat er nun auch schon mehr Muskeln aufgebaut, er läuft inzwischen viel schneller und hat mehr Ausdauer. Auch an Gewicht hat er schon zugenommen, was uns sehr freut. Wenn man jetzt an seiner Box vorbei geht hat man das Gefühl, dass er sein Umfeld nun mehr wahrnimmt und er erscheint nicht mehr so traumatisiert wie am Anfang. 

Ende April 2021 hatten wir den professionellen Hundetrainer Pedro Paiva aus Lissabon zu Besuch, der  zwei Tage lang mit Frankie trainierte und sein Wissen an unsere Helfer vor Ort weitergab. Er erstellte einen Trainingsplan für Frankie, den unsere Helfer vor Ort umsetzten und mit dessen Hilfe sie es schafften, dass Frankie die Nähe von Menschen auf eine gewisse Distanz akzeptieren konnte und langsam auch wieder empfänglich für Außenreize wurde. 

Bei seinem zweiten Besuch im August 2021 verbrachte Pedro ganze 3 Tage bei uns. Und was sollen wir sagen: für uns ist es wie ein kleines Wunder! Gleich am ersten Tag konnten wir Frankie vermitteln, dass wir nicht nur auf Entfernung ungefährlich für ihn sind, sondern dass wir uns auch ohne das er etwas befürchten muss in seinem Nahbereich aufhalten können. Am Ende des Trainingstages waren sogar kurze Berührungen möglich – ohne das Frankie uns anmeckerte oder sonst irgendwie seinen Unmut zum Ausdruck brachte. Am zweiten Tag wurde das mit den Berührungen dann weiter ausgebaut, geübt und gefestigt. Schon zu diesem Zeitpunkt waren wir alle sehr beeindruckt. Denn auch wenn es nur eine kleine Berührung ist – wir wissen wie schwierig es für Frankie ist. Außerdem wurde Frankie ab Tag 2 an einer kürzeren Leine geführt um ihn daran zu gewöhnen, dass wir ihm konstant näher sind. Am dritten Trainingstag Frankie zum ersten Mal außerhalb unseres Geländes spazieren gehen! 

Inzwischen geht Frankie regelmäßig spazieren und schafft es auch schon neben einem anderen Hund an der Leine zu laufen. Frankie nimmt seine Umwelt jetzt wieder vermehrt wahr – besonders wenn er mit Elena seine Morgenrunde macht. Beim Gassi gehen schnüffelt er mal hier mal da und man kann für klitzekleine Momente vergessen, wie viele Baustellen er noch hat. Doch auch bei seiner Menschenscheu gibt es kleine Fortschritte: so hält er es mittlerweile aus, wenn sich andere Menschen, wie unsere Volunteers, auch mal näher in seinem Radius aufhalten und flüchtet nicht direkt bzw. beschwert sich lautstark. Er bleibt dann einfach stehen. Ganz langsam scheint ihm klar zu werden, dass ihm im Shelter keine Gefahr mehr droht.

Im Februar 2022 war es wieder so weit: Trainer Pedro Emanuel Paiva kam für ein paar Tage um vor allem mit unserem lieben Frankie zu trainieren. Die letzten Trainingseinheiten hatten ja schon in der Vergangenheit für große Fortschritte bei ihm gesorgt. Seit dem letzten Training haben wir natürlich fleißig trainiert und konnten nun neue Meilensteine mit Frankie erarbeiten.

Mit Pedro wurde ein Konzept erarbeitet, dass Frankie motiviert uns und seine Umgebung aktiv wahr zu nehmen und seine Box und das alleine sein möglichst blöd zu gestalten – aufregende Sachen passieren ab sofort nur noch mit uns an der Leine! Denn leider ist unser Frankie nicht wirklich mit Futter bestechlich und, ob er uns als Menschen gefällt, ist ihm auch ziemlich egal. So haben wir ihm gleich mal 2 kleine, sehr nette – aber eben nervige – Welpen mit in seine Box gesetzt. Die süße Merle und der liebe Matteo waren ab sofort zur Stelle um freundlich auf Frankie zu zu gehen und ihm aber gleichzeitig seine geliebte Box ein bisschen unliebsamer zu gestalten. Nach deren Vermittlung sind nun die kleine Mable und Noel bei ihm eingezogen und halten ihn ganz schön auf Trapp.

Gleichzeitig lernt Frankie, dass schöne Sachen wie Gassi gehen und über unser Gelände streunern nur mit uns „im Schlepptau“ an der Leine möglich sind. So machen wir die Interaktion mit uns attraktiver. Außerdem haben dieses Mal auch unser großartigen, engagierten Helfer:innen vor Ort mit trainiert. So haben alle den gleichen Umgang mit Frankie und er lernt durch die Routine, dass er nichts zu befürchten hat

Außerdem können mehr Menschen natürlich auch ein regelmäßigeres Einzeltraining mit ihm sicherstellen. Um seine Leinenführigkeit zu trainieren und seine Aufmerksamkeit an der Leine zu stärken wurde außerdem eine 2. Leine an seiner Hüfte zur Hilfe genommen. Auch an seinem Missmut gegenüber Berührungen haben wir weiter gearbeitet…. Und was sollen wir sagen… Zwar langsam und bedacht – aber wir können Frankie bürsten, ohne dass er einen Herzinfarkt bekommt! Besonders in den Zeiten der Fellwechsel ist das für sein Wohlbefinden wichtig und wir freuen uns, dass er das jetzt zulässt.

Auch Autofahren kann der liebe Frankie jetzt erdulden. Auch wenn es vorerst nur in Elenas großem Van möglich ist, ist es doch ein großer Fortschritt. Aber die super News kommen erst noch: Frankie war in der Stadt und am Strand! Was für so viele Hunde „normal“ ist, rührt uns bei Frankie so ungemein! Wer hätte gedacht, dass er so über sich hinauswachsen kann.

Wir sind so unglaublich stolz auf Frankie! Und mit jedem seiner Entwicklungsschritte, erhöhen sich seine Vermittlungschancen… Und wir sind uns sicher: auch dieser Topf wird sein Deckel finden!